Wir haben eine WG gefunden. In vier Wochen werde ich mit Leyn umziehen, in eine wunderschöne, kleine WG mit einem Bio-Student zusammen, der total sympathisch ist und auch noch ein Vegetarier, der gerne kocht, Jackpot! Und dann haben wir auch noch einen unglaublich riesigen Garten mit eigenem Gemüsebeet und Apfel- und Kirschbaum. Es klingt alles so perfekt nach einem Neuanfang. Nur ich will nicht mit dem momentanen Zustand in diese Zeit starten, das würde alles kaputt machen. Es gibt eigentlich nur eine Lösung - Arsch zusammenkneifen und wieder anfangen zu essen.
Die Lösung klingt in meinem Kopf ziemlich fremd und kompliziert. Magenschmerzen, Zunehmen, durchschnittlich sein, Versagerin. Die andere Seite wäre natürlich: Kraft haben. Kraft, um der ganzen neuen Lebenssituation gewachsen sein. Abends mit tollen Menschen zusammensitzen, zusammen kochen, zusammen trinken, zusammen essen. Wieder Kurven haben. Kurven sind garnicht mal so schlecht. Momentan bin ich ein kurvenloser Strich. Wenn ich meine Freundinnen ansehe, bin ich teilweise neidisch, an ihnen sehen die Klamotten einfach besser aus. Kann natürlich auch daran liegen, dass mir alle zu groß geworden sind.
Auch wenn die Pro-Essen-Seite grad offensichtlich größer ist, heißt das leider noch lange nicht, dass ich wieder essen werde. Die Contra-Seite könnte ebenfalls noch detailreich ausgeführt werden, sodass sie mindestens genauso viel Text enthalten würde.
Meine Therapeutin ist krank geworden und hat keine Zeit für mich. Also muss ich das jetzt entweder selbst mit mir ausmachen oder ich wage einen Besuch bei meinem Hausarzt (könnte aber auch unvorteilhaft für mich ausgehen), oder ich warte einfach ab, bis sich eine Lösung von selbst ergibt. Die Frage ist nur, wann das sein würde. Falls ich mich dazu entscheiden sollte/ es hinbekommen sollte, wieder zu essen, müsste ich damit ja mindestens 2 Wochen vor Studienbeginn anfangen, weil ich kenn' das Ganze ja. Die ersten Tage hängt man nur mit Magenkrämpfen auf dem Klo, Selbsthass überwiegt etc... Irgendwie hoffe ich, dass mir jemand hilft, obwohl ich wirklich selbst Schuld bin. Ich hab mich da reingeritten...es war meine Entscheidung, das zu tun und ich kannte die Risiken. Die 49kg werden spätestens Samstag auf der Waage stehen und damit habe ich mein Ziel längst überschritten und bin bei einer Zahl angelangt, mit der ich in diesem Leben echt nicht mehr gerechnet hätte. Ist da ein gewisser Stolz? Ja, definitiv. Aber mehr auch nicht. Applaus lässt auf sich warten. Ich bräuchte eher eine High-five ins Gesicht.
Was ich aber weiß, hihihi, wenn es soweit sein wird, dass ich wieder beginne, richtig zu essen, dann wird das erste Frühstück, das ich zu mir nehme, ein Rosinenbrötchen sein und ein Glas fettarme Milch, das hab ich heute entschieden.
Später vielleicht noch ein Zombie-foto von mir hinterher,
Küsschen!

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