Ich bin viel zu träge, trotzdem lauf ich zu schnell.
Wann ich das letzte mal mehr als acht Stunden Schlaf am Stück hatte - keine Ahnung. Bin kaum noch zuhause, wenn dann liege ich neben jemandem in meinem Bett, neben dem es so falsch ist zu liegen, unter der Lichterkette, und verliere mich in Haselnussaugen. Mein Zimmer ist chaotisch, mein Konto überzogen, in der Schule sitze ich übermüdet, mit Stempeln auf der Hand von der letzten Nacht, ich ziehe durch die Clubs meiner Stadt mit Menschen, die genauso verdrängen wie ich. Arm in Arm über den verregneten Asphalt, Tequila im Magen, dunkelroter Lippenstift auf dem Filter meiner Zigarette. Mein schwarzer Jutebeutel, die dreckigen Nike's und die Ränder unter meinen Augen sind wohl mein Markenzeichen der letzten Wochen geworden. Ich habe Angst, zur Ruhe zu kommen, weil ich befürchte, dass ich dann falle, obwohl ich mich doch eigentlich schon längst im freien Fall befinde. Ich will nicht, dass sich das alles dauernd wiederholt, ich will nicht den hundertsten Rückfall, will mich nicht dauernd wieder berappeln um dann doppelt so hart auf dem Boden der Tatsachen aufzuschlagen.
Es wird sich die nächsten Tage, wahrscheinlich Wochen erstmal nicht viel verändern an meiner destruktiven Lebensweise. Aber ich werde bald irgendetwas finden da draußen, irgendetwas das mich dieses Leben wieder zu schätzen wissen lässt.
Samstag, 21. November 2015
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