Die Einsicht, dass man es alleine nicht schafft, ist der erste Schritt.
Der Wille, sein Leben lebenswert zu machen, der Zweite.
Die Entscheidung, den Kampf aufzunehmen, und dabei jeglichen Schmerz und Kraftaufwand in Kauf zu nehmen, der Dritte.
Und dann? Dann sollte eigentlich Hürde für Hürde bewältigt werden und das "Leben" immer näher rücken.
Nur was, wenn man nach der ersten Hürde schon stehen bleibt?
Wenn man seit Wochen auf der Stelle trampelt und nicht weiß, ob vor oder zurück?
Wenn die ganzen Hürden, die man vor sich sieht, so unüberwindbar scheinen?
Wenn es doch so viel einfacher erscheint, einfach wieder zurückzugehen?
Wenn man beginnt, abzuwägen, und die Krankheit aufeinmal wieder so verlockend klingt...wenn man vielleicht sogar auf das alles, was man sein kann und was noch vor einem liegen könnte, verzichten würde, um wieder seine Ruhe zu haben.
Ich brauch meine Ruhe.
Ich würde so gerne eine Pause einlegen, kurz die Welt anhalten, kurz durchatmen, mich irgendwo verstecken und von dort alles beobachten, um irgendwie wieder Klarheit zu erlangen. Ich will wieder wissen, wofür ich das hier mache und ich will es wieder fühlen können. Ich kann nicht kämpfen, wenn mein Gefühl mir etwas anderes sagt. Und das ist der bedauernswerte, momentane Standpunkt, an dem ich mich seit ein paar Wochen befinde. Ich komme nicht voran. Heute habe ich meine erste Verwarnung bekommen, weil ich wieder abgenommen habe. Zwischenzeitlich wollte ich nachhause gehen. Alles hinschmeißen, mich mit offenen Armen schluchzend wie ein kleines Kind zurück in die Obhut der Anorexie stürzen.
Aber ich bin noch hier, seit Tagen wartend...auf irgendeine Eingebung, auf das Zurückkommen meines Willens. Ich bin ehrlich - wenn meine Familie mir schwarz auf weiß unterschreiben würde, dass sie sich keine Sorgen um mich macht, wenn ich jetzt abbreche und nachhause komme, dann hätte ich schon die Koffer gepackt.
"Fremdmotivation" bringt Sie hier nicht weiter. Sie müssen es selber wollen. Sie müssen gesund werden wollen, sonst ist es noch nicht der richtige Zeitpunkt."
So that's it, entweder ich entscheide mich endgültig für einen beider Wege, oder ich drehe mich weiterhin im Kreis, lasse es drauf ankommen und die Klinik entscheidet spätestens bei der dritten Verwarnung für mich. Dass ich grad weine, ist irgendwie befreiend. Die Auseinandersetzung mit diesem ganzen Mist ist so schmerzhaft, aber gleichzeitig auch wichtig, und genau dafür ist dieser Blog noch da. Ich hab die ganzen letzten Tage nicht ausdrücken können, was genau in mir vorgeht, aber das Schreiben macht es etwas einfacher.
Unglaublich, was für eine Macht die Psyche eines Menschen hat. Alle sagen dir, dass es nur besser werden kann, wenn du gesund wirst, und deine eigene Vernunft sagt dir dasselbe, aber trotz allem ist da diese mindestens genauso starke Stimme, die das alles in Frage stellt und dich mit aller Kraft zurückzieht, immer wieder, jeden Tag.
Ich will raus in den Nebel und rennen, bis meine Lunge streikt.