Elina
27 Jahre
selbstkritisch, paradox, aber stilsicher

Dienstag, 8. November 2016

Irgendwann im Oktober

Du willst wissen, wie ich mich fühle? Ich will wissen, wie ich mich fülle.

Bumm, bumm, bummbummbumm.
Ich werde von einem Stolpern in meiner Brust wach. Mein Herz rast so schnell, dass ich mich aufsetzen muss. Ein Blick auf die Uhr - 09:36Uhr. Ich hab durchgeschlafen. Seit Wochen habe ich wieder durchgeschlafen. Eigentlich ein Grund zur Freude, wenn mein Herz nicht so rasend schnell Blut durch meine Adern pumpen würde. Ich falte mich in meiner Decke zusammen und beginne langsam damit, den gestrigen Abend zu reflektieren. Ein gemütliches Zusammensitzen mit Freunden, ein paar Gläser Wein, tiefgründige Gespräche, Ballons an der Zimmerdecke und Rauchen auf der Fensterbank, den Rauch in die eiskalte Luft pustend. Genau diese Abende, die mich erfüllen. Trotzdem fühle ich mich leer. Ich versuche mir in Erinnerung zu rufen, wie es zu diesem Gefühl, welches mich schon seit ein paar Wochen wieder begleitet, kam. Ich brauche nicht lange, um mir ein paar Situationen ins Gedächtnis zu rufen. Ein Kommentar hier, ein Gespräch dort, ein paar Enttäuschungen, der Duft nach Herbst und ein paar alte Fotos und Erinnerungen. Darf mich das belasten? Ja. Darf ich mich erinnern? Selbstverständlich. Darf ich mich einer Sehnsucht hingeben, die falsch ist? Ja. Bin ich in der Lage, es nur bei Sehnsucht zu belassen? Ich weiß es nicht. Werden diese Gedanken jemals aufhören? Laut meiner letzten Therapeutin - Nein. Für diese Tatsache erntete ich gestern Abend noch einen mitleidigen Blick eines guten Freundes.
Herbst. Die schönste Jahreszeit. Ich öffne das Fenster einen Spalt breit und atme die kalte, feuchte Luft ein. Mein Herz möchte nicht aufhören, mich zu quälen. Einatmen, ausatmen. Ein und aus. Mein Körper glüht, obwohl ich friere. Ich schleiche zurück ins Bett, rolle mich neben meinen schlafenden Freund ein und lege meine heiße Wange auf seinen Oberarm. Bumm.           Bumm.           Mein Herz schlägt langsamer und ich schaffe es, die Augen nochmal zu schließen, ohne Panik zu bekommen.
Vielleicht ist alles gar nicht so schlimm. Vielleicht brauche ich einfach einen Neustart in dieser Stadt - Erinnerungen gehen und Herbstlaub unter meinen Füßen rascheln lassen. Umziehen. Mein eigenes, neues Reich schaffen. Ich bin nicht mehr gerne zuhause. Die besten Menschen sind nicht mehr da. Sie wurden von jungen, wilden Trampeln ersetzt, mit denen ich einfach nicht warm werde. Ich wünsche mir nichts mehr als meine eigene Wohnung voller Lichterketten und Kerzen zu besitzen. Zur Ruhe kommen. Mich zuhause fühlen. Gedanken ordnen. Denn selbst schreiben kann ich nur noch Müll.