Morgen geht es los in die Klinik. Ich bin sooo nervös, mein Herz schlägt seit ich wach geworden bin gefühlt doppelt so schnell. Ein riesiger Koffer steht im Flur, und ich werde wahrscheinlich noch einen brauchen, weil ich Angst hab, zu wenig mitzunehmen. Gestern hab ich mich von meiner WG verabschiedet, mit Leyn noch zusammengekuschelt PLL in ihrem Bett geguckt, die Jungs haben gesagt, sie stehen voll hinter mir, total süß. Dann bin ich nachhause gefahren, jetzt sitz ich grad auf der Couch mit einem riesigen Kaffee (in der Klinik wird es nur 2x am Tag Kaffee geben - kalter Entzug für mich!!) und es stürmt total draußen, der Wind fegt um's Haus und irgendwie passt das Wetter zu meinem Innenleben. Meine Güte, ich hab echt Schiss. Freitag war ich nochmal zu einem Vorgespräch dort, hab mir die Station ansehen können, meine Therapeutin und Ärztin und sogar schon zwei Mitpatienten kennengelernt, die waren alle total nett eigentlich nur ich werde definitiv das Küken sein, die meisten dort sind Mitte 30...weiß noch nicht wie ich das finden soll. Die Zimmer sind alles Doppelzimmer, gefällt mir absolut nicht, und an sich ist die ganze Station schon eher Krankenhaus-style, durch die Habichtswaldklinik bin ich aber auch ziemlich verwöhnt. Und es geht ja darum, gesund zu werden, und nicht um den Komfort, das muss ich mir einfach sagen. Was gut dort ist, sind die Essens-regeln, man muss nichts aufessen, man darf wählen, was man isst und die Hauptsache ist einfach nur, dass man mindestens 500gr pro Woche zunimmt. Morgens und Abends gibt es Buffet und Mittags kann man immer zwischen 3 Gerichten wählen, Nährwertangaben stehen hinter den Gerichten und es ist immer ein Vegetarisches dabei, was ich natürlich sofort nachgefragt habe. Leider sind die Vegetarischen auch immer die, die am meisten Kalorien haben, hab ich gesehen...aber vielleicht war es auch nur bei dem Menüplan letzte Woche so. Ja, sonst gibt es noch jeweils 2 Zwischenmahlzeiten, dann sollte man noch Obst zwischendurch essen UND ich muss Fortimel trinken, iiiiiiihhhh ich will das nicht. Ich werde so schnell zunehmen...oh man ich darf nicht drüber nachdenken, sonst versau ich mir hier echt den letzten Tag in "Freiheit". Der letzte Tag, an dem ich dünn sein kann, so dünn wie heute werd ich wohl nie mehr sein, komische Vorstellung. Soll ich traurig oder glücklich drüber sein? Wahrscheinlich glücklich. Dass jetzt endlich alles gut wird? Schwer zu glauben momentan. Dafür ist die Angst und die Stimme der Krankheit wahrscheinlich noch zu groß.
Mein Großvater hat mir heute gesagt, dass ich für jedes Kilo, dass ich schaffe, zuzunehmen, 100€ bekomme, und wenn ich mein Zielgewicht erreicht habe und irgendwann wieder nachhause darf, dann darf ich mir davon einen Traum erfüllen, ich soll irgendwas damit tun, was mich glücklich macht. Und ich weiß schon was ich tun werde - ich werde nach Italien reisen. Das Land, das mir so viel gibt und wo ich mich immer wohl fühle. Ich werde dort durch die kleinen Dörfer reisen und guten Wein trinken und richtig italienische Pizza und andere Spezialitäten genießen und ich werde leben.
Ach es gibt so viele Ziele, die ich nächstes Jahr habe, so viele Dinge, die ich noch machen will, die ich nicht tun konnte, weil die Essstörung sie mir kaputt gemacht hat. Und ich will das nicht mehr. Ich will wirklich leben, ich will so sehr. Es wird schwer sein, die ES loszulassen, es wird verdammt schwer, aber mein Wille und meine Sehnsucht nach Leben ist stärker, das weiß ich, und das ist die beste Vorraussetzung, denke ich.














