Elina
27 Jahre
selbstkritisch, paradox, aber stilsicher

Samstag, 21. Dezember 2013

Ihr süßesten aller Menschen,
es tut mir leid, dass ich erst jetzt dazukomme...irgendwie war ich die Woche mit anderen Dingen beschäftigt.
Ich hatte über das letzte Wochenende schon wieder abgenommen, ziemlich creepy. Montag war ich dann dementsprechend ein ziemliches Nerven-wrack, hab schon so gut wie resigniert, weil ich ich doch schon alles gemacht hatte, was in "meinen Möglichkeiten" lag. Jedenfalls hab ich es dann doch noch am Donnerstag eine Punktlandung von den verlangten 500gramm Zunahme geschafft, und jaaaaaaaaawoooollll dann klopfte aufeinmal die Motivation wieder an die Tür, hab sie mit offenen Armen empfangen und festgekettet und hoffe, dass sie nie mehr verschwindet. Die letzten Tage haben super geklappt und ich trage die ganze Zeit diese Vorfreude auf Weihnachten mit mir herum, ich bin so hibbelig, Angst hab ich auch, aber eigentlich dürfte ich gut vorbereitet sein. 
So und jetzt beantworte ich eure Fragen, ich vermute eine schriftliche Antwort reicht euch auch:

1. Wie viele Mahlzeiten hast du insgesamt? Ist das Personal auf Essstörungen spezialisiert? 
Hast du Leute mit denen du dich gut verstehst?

Ich hab die typischen Hauptmahlzeiten halt, Frühstück, Mittag und Abendessen, dann noch "Kaffee & Kuchen", 2x Obst als Zwischenmahlzeit und abends nochmal die Spätmahlzeit. Bis vor kurzem kam halt noch das Fresubin 2-3x am Tag dazu, aber da ich jetzt in Stufe 2 bin, muss ich das Gott sei Dank nicht mehr trinken, obwohl ich vom Gewicht her zwar wieder in Stufe 1 gerutscht bin, und die vergessen haben, mich zurückzustufen, aber das ist ne andere Geschichte :-D

Ja, das Personal hier ist auf Essstörungen spezialisiert, was ich persönlich echt vorteilhaft finde, weil beispielsweise Ängste vor Lebensmitteln wie Butter, Käse etc oder das typische "Ich fühl mich fett obwohl ich stark untergewichtig bin" hier ziemlich gut nachvollzogen wird und man somit auch mit jedem "lächerlichen" Problem das Gespräch suchen kann.

Ja, ich hab hier viele Leute, mit denen ich mich gut verstehe. Wäre das nicht der Fall, hätte ich es wahrscheinlich nicht ausgehalten hier.

2. Mich würde interessieren wie die Betreuer so sind. Im Sommer war ich auch in 'ner Klinik und naja, die meisten haben mich nach ner Zeit glaube ich nur noch gehasst

Die Betreuer sind hier sehr unterschiedlich, manche sind ziemlich streng, manche weniger. Prinzipiell bin ich aber total zufrieden, hier sind wirklich alle freundlich und die geben auch immer ganz viele Rückmeldungen, wie sie mich erleben etc, und loben mich auch ganz oft, hihihi. Und ich hoffe nicht, dass mich hier einer derjenigen hasst :-D Darf ich fragen, warum sie dich/euch gehasst haben?

3.Und ich würde gerne wissen, was für ein Therapiekonzept du da durchlebst. :) Es muss ja irgendeinen Unterschied zur ambulanten Therapie geben. 

Puhh hier könnte ich einen ganzen Roman schreiben. Also der Hauptunterschied ist meiner Meinung nach einfach, dass man hier essen muss. Bei einer ambulanten Therapie fährst du vielleicht 1x die Woche zu deinem Therapeuten und anschließend wieder heim, und dann musst du schauen, wie du das alles alleine umsetzt. Das war für mich auch der Grund, warum ich mich für eine stationäre Therapie entschieden hab, denn ich hätte NICHT gegessen, ich hätte es absolut nicht alleine hinbekommen. Ein weiterer Unterschied ist meiner Meinung nach auch die Gruppentherapie, hier findet wie gesagt jeden Tag mindestens 2x täglich Gruppentherapie (in Form von Gestaltungs-, Körper- und Gesprächstherapie) statt, was ja bei einer ambulanten Therapie nicht der Fall ist, außer man ist jetzt vielleicht Mitglied einer Selbsthilfegruppe. Dann kommt noch dazu, dass es für mich jedenfalls hier echt 24Stunden-Therapie ist, mein Fokus liegt zu 100% auf dem Besiegen der Krankheit, ich habe keinen Alltag nebenbei zu bewältigen, der mich aus der Bahn werfen könnte, was auch gut so ist. Zum allgemeinen Therapiekonzept könnte man vielleicht noch sagen, dass hier auch viel Wert auf Eigenmotivation und Verantwortung gelegt wird, da das Essen ja nur 1x am Tag begleitet wird, somit muss der Patient selbst drauf achten und lernen, wieder selbst die Größe der Mahlzeiten in einem gesunden Maß zu gestalten. Falls man aber Probleme hat, stehen die Betreuer immer als zusätzliche Begleitung auch bei Frühstück und Abendessen zur Verfügung. Ja...hoffe, das war zu deiner Befriedigung beantwortet, wenn nicht, schreib gern nochmal unter den Post hier :-)

Soooo das war's erstmal für heute von mir, ich glaub morgen schreib ich nochmal. 
Habt nen schönen Samstagabend, ich geh jetzt in den Gruppenraum und spiele Tabu mit meinem Lieblings-mitpatienten :-D



2 Kommentare:

  1. Naja, ich war halt keine Marionette. Ich wollte nicht immer das tun, dass sie von mir verlangt haben. Ich wurde gerade zu gezwungen in der Erlebnistherapie einen Baum hochzuklettern. Bei der progressiven Muskelentspannung habe ich totale Aggressionen auf meinen Körper gekriegt, und das habe ich in der Feedback-Runde gesagt, daraufhin wurde ich einfach nur angeschnautzt, dass ich mich auf nichts wirklich einlassen kann. Die Betreuer haben hinter verschlossenen Türen gelästert und man wurde als Essstörungspatient, der nicht unter 50kg zu dem Zeitpunkt wog, nicht ernstgenommen.
    Natürlich waren nicht alle so, aber es gab viele die öfters bei Suizidalität oder einem Nervenzusammenbruch einfach zu einem gesagt haben "Stell dich nicht so an".

    Eigentlich sollte man glauben die Klinik war für mich die Hölle, aber das war eigentlich nur an manchen Tagen und Momenten so. Ich habe dort wundervolle Menschen/Patienten getroffen, die mir eine bessere Therapie geliefert haben als die Psychologen:)

    Hast du Bewegungstherapie? Das habe ich über alles geliebt.

    Lg, Vodka:)

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  2. wie toll, dass du die motivation gefunden hast!
    ich geb dir nen schub von meiner guten laune, die ist soooo selten :**
    pass auf dich auf

    effy

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