Elina
27 Jahre
selbstkritisch, paradox, aber stilsicher

Samstag, 28. Dezember 2013

Ich sitze im Bett, das Zimmer ist leer, die ganze Station ist leer. 
Die wenigen Mitpatienten, die über das Wochenende hier geblieben sind, machen sich einen schönen Abend außerhalb der Klinik. Auch Silvester werden alle zuhause oder außerhalb feiern. Und ich sitze hier fest, seit fast 9 Wochen. Und seit 4 Wochen hab ich nicht ein einziges Gramm zugenommen, selbst Zuhause über Weihnachten nicht. Das ist so frustrierend, ich habe die zweite Ermahnung an der Backe und dabei war ich doch so motiviert die letzten Tage, ich verstehe es nicht. Seit gestern Abend denke ich über eine sogenannte "Therapie-pause" nach, das bedeutet, dass ich für ein paar Wochen nachhause fahren könnte, mir eine Pause von dem ganzen Druck hier nehmen und dann bald nochmal neu hier beginnen. Die einzige Bedingung ist, dass ich das aktuelle Gewicht halten muss, weil ich sonst nicht wieder aufgenommen würde. Dieses Angebot klingt grad so verlockend, denn momentan halte ich es hier wirklich kaum mehr aus, besonders nicht nach Weihnachten, ich hab so schreckliches Heimweh und darf erst das nächste Mal in Stufe 3 nachhause, bis dahin sind es noch über 3kg - klingt nicht viel, ich weiß. Aber für mich ist es momentan eine Sache der Unmöglichkeit, ich geb hier wirklich alles und scheinbar reicht es immernoch nicht. Und mehr essen kann ich nicht...nicht momentan. Kaum steigere ich die Kalorien-anzahl, sinkt meine Befindlichkeit in den Keller und ich bin kaum mehr aufnahmefähig in den Therapien, geschweige denn für Geselligkeit oder Gespräche mit Gruppenmitgliedern. Von daher wäre eine Pause vielleicht ganz gut. Vielleicht könnte ich für ein paar Wochen zu meinem Dad, einfach abschalten. Meine Mum ist absolut nicht begeistert von der Idee, sie glaubt nicht daran, dass ich das Gewicht halten könnte in der Zeit, aber ich weiß, dass ich das schaffen kann. Und das Gute ist, dass es wirklich meine Entscheidung ist. Und wenn es mir hier nicht gut geht, und ich vielleicht sogar bald rausfliege, wenn ich die dritte Ermahnung bekomme, dann mache ich lieber eine Pause und tanke neue Kraft und Motivation. Mein Dad hat das grad am Telefon schonmal befürwortet, ich war so erleichtert.

Meine Beine tun sauweh, gestern Abend hatte ich so ein verschissenes Tief; erstmal war ich so enttäuscht von der Zahl auf der Waage, dann hab ich ganz viele OREO-Kekse gegessen und Zack, direkt ging wieder garnichts mehr. Ich hab mir die Jacke geschnappt, meine Boots angezogen und bin nach draußen und gerannt, bis ich irgendwann um kurz vor 22Uhr mit brennenden Lungen und tauben Beinen an irgendeiner Straßenecke stand. Und so ist es IMMER - kaum esse ich mehr, als mein "persönliches Limit", ergreife ich entweder Gegenmaßnahmen oder falle in ein Riesen-loch. Und um mir solche Situationen zu ersparen, esse ich dann lieber jeden Tag nur eine bestimmte Menge, die für mich noch in Ordnung ist und nehme dann dementsprechend scheinbar nicht zu. Und aus dieser Zwickmühle komme ich seit 4 Wochen nicht mehr raus. Und darum brauche ich ne Auszeit. Jetzt, wo ich das alles aufschreibe, wird es mir noch klarer. 
Ja ich glaub, ich zieh das durch. Egal, was andere denken. 
It's my choice.

Hoffe, ihr habt Weihnachten gut überstanden, fühlt euch gedrückt ♥


1 Kommentar:

  1. Puhh hier könnte ich einen ganzen Roman schreiben. Also der Hauptunterschied ist meiner Meinung nach einfach, dass man hier essen muss. Bei einer ambulanten Therapie fährst du vielleicht 1x die Woche zu deinem Therapeuten und anschließend wieder heim, und dann musst du schauen, wie du das alles alleine umsetzt. Das war für mich auch der Grund, warum ich mich für eine stationäre Therapie entschieden hab, denn ich hätte NICHT gegessen, ich hätte es absolut nicht alleine hinbekommen. Ein weiterer Unterschied ist meiner Meinung nach auch die Gruppentherapie, hier findet wie gesagt jeden Tag mindestens 2x täglich Gruppentherapie (in Form von Gestaltungs-, Körper- und Gesprächstherapie) statt, was ja bei einer ambulanten Therapie nicht der Fall ist, außer man ist jetzt vielleicht Mitglied einer Selbsthilfegruppe. Dann kommt noch dazu, dass es für mich jedenfalls hier echt 24Stunden-Therapie ist, mein Fokus liegt zu 100% auf dem Besiegen der Krankheit, ich habe keinen Alltag nebenbei zu bewältigen, der mich aus der Bahn werfen könnte, was auch gut so ist.

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