Elina
27 Jahre
selbstkritisch, paradox, aber stilsicher

Mittwoch, 21. August 2013

EGO

Alles, was ich mir in meinem Kopf zusammensetze, was ich hier loswerden möchte, sieht aufgeschrieben aus wie die Worte einer Egomanin.
Von daher versuche ich es jetzt mal aus der Es-ist-wie-es-ist-Perspektive: Ich hab gesagt ich ruf in der komischen ambulanten Klinik an - hab ich nicht gemacht. Ich hab gesagt ich ruf beim Arzt an - hab ich nicht gemacht. Ich hab gesagt, dass die Gemüse-Nudel-Pfanne, die mein Bruder extra für mich gekocht hat, geschmeckt hat - ich hab sie garnicht gegessen. Ich erzähle jedem, dass ich esse und dass ich wieder zunehmen will - will ich nicht.
Nach der Nacht Samstag hab ich noch nichtmals mehr die Möglichkeit mit J. (Meiner Freundin, der ich einfach alles erzählen kann, weil sie genauso crazy ist wie ich) über alles zu reden, weil auch sie jetzt von mir verlangt, mit Allem aufzuhören. Das ist ein komisches Gefühl, nun wirklich komplett alleine zu sein mit dieser Gedankenspirale und dann auch noch alle anderen anlügen zu müssen, ich hasse es so sehr, zu lügen. Gestern war eine Situation, die mich schon etwas erschrocken hast. Ich kam nach der Arbeit nachhause, ging durch das Büro meines Bruders und bin fast über die Waage gestolpert, die mitten im Raum stand. Okaaaaay...ich werde die ja wohl nicht in einem Halbschlaf-zombielauf durch das Haus getragen haben, und heute morgen stand sie da noch nicht. Das muss mein Bruder gewesen sein, wahrscheinlich nach einem Gespräch mit meiner Mutter. Was ist der Plan? Hat er die Batterien rausgemacht? Nein, ein Glück. Wird er von mir wollen, dass ich mich vor ihm da drauf stelle? Oder soll sie versteckt werden, damit ich aufhöre, mich zu wiegen? In dem Moment hatte ich so schreckliche Angst davor, dass ich die nächsten Tage ohne diesen Gegenstand leben muss, dass ich wirklich verzweifelt war. Ich hab überlegt, wie ich am besten morgen direkt vorm Spätdienst eben eine Waage in der Stadt besorgen kann, trotz knapp bei Kasse, aber es war mir wirklich ein Ding der absoluten Unmöglichkeit, mehrere Tage nicht überprüfen zu können, wieviel ich wiege.
2 Stunden später stolzierte mein Bruder herein und erzählte mir, dass er vor hatte, Javier, unseren Kater zu wiegen, er sich aber leider gewehrt hatte. "Ups, die Waage steht ja immernoch hier!"

Ja...soviel dazu. Ich bin so egoistisch, dass ich mich selbst auslachen könnte. Aber was mich wirklich geschockt hat, war diese Abhängigkeit von einem Gegenstand, der mir eine Zahl anzeigt, die nunmal wirklich niemanden juckt, außer mich selbst. Und je weiter diese Zahl hinunterklettert, desto egoistischer und unausstehlicher werde ich sein. Wie es weitergeht, steht immernoch in den Sternen.

1 Kommentar:

  1. Same here. Das tut mir so leid für dich!
    Hoffentlich ändert sich bald was bei dir und hoffentlich findest du den Mut dort anzurufen. Es wird langsam gefährlich bei dir.
    Alles Gute
    Lenchen

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