Schreibe mit N., gehen in einen Club, haben Freiverzehr, der Achte Wodka-Energy gibt mir das Verlangen nach Nähe, umarme ihn, versuche in zu küssen, er küsst mich auf die Wange und verschwindet, verschwindet immer wieder, den ganzen Abend, versuche zu tanzen, sehe scheiße aus in VANS, "Wenn du jetzt High-Heels anhättest, würd ich dich vernaschen..", ein Mädchen kommt auf mich zu, erzählt mir, dass N. ihr grad seine Handynummer gegeben hat, ich realisiere es nicht, versuche ihn erneut zu küssen, er weicht grinsend aus, seine Freunde reden über mich, zeigen den Daumen hoch, ich realisiere es nicht. Er macht Fotos von uns, schreibt seiner Schwester, dass wir zusammen kommen werden, fühle mich so glücklich und frei, ich realisiere es nicht. Versuche ihm meinen Mädels vorzustellen, er dreht sich weg und tanzt seine Kollegen an, ich realisiere es nicht. 4:36Uhr, ich will noch nicht gehen, will ihn endlich küssen, warum weicht er aus? Taumle durch die Menge, hasse die Musik, hasse alle Weiber, hasse mein Spiegelbild. 5:04Uhr, meine Mädels wollen gehen, ich verabschiede mich von ihm, er begleitet mich zur Kasse, endlich der lang ersehnte Kuss, warum nur, wenn wir alleine sind? Ich steige ins Taxi schließe die Tür, mir ist so schlecht. Mein Kopf lehnt an der Fensterscheibe, mein Magen hasst mich, ich hasse mich, er will mich nicht, es war nur Spaß für ihn, ich realisiere.
Die erste Träne, ich versuche etwas zu sagen, aber diese salzige Wasserflut erstickt jedes Wort, ich weine wie ein Baby, Leyn rückt rüber auf meinen Platz, hält mich im Arm, ich versuche zu reden, versuche zu erzählen, wie enttäuscht ich von N. bin, wie ich es nicht wert bin, wie körperlich am Ende ich bin, dass ich verrückt werde, der Taxifahrer reicht mir einen Kaffeebecher für meine Kippe, verschiedenste Meinungen von allen Plätzen des Autos, Elina du musst wieder essen, immer dieses Extreme, es macht dich so kaputt, so geht das nicht weiter, wir helfen dir, du bist zu dünn, wir überlegen schon länger, was zu sagen, endlich redest du, bald wird alles gut, wir essen jetzt immer zusammen, das ganze Spektrum an üblichen Aussagen über Essstörungen prasselt auf mich ein, ich schluchze und schluchze, verspreche Dinge, die ich nicht einhalten kann, feste Umarmungen meiner Mädels zum Abschied, der Taxifahrer murmelt irgendwelche Lebenserfahrungen und Ratschläge in seinen Bart, ich bin zuhause. Endlich zuhause. Wie auf Droge ziehe ich jegliche Kleidung aus, stelle mich auf die Waage, 51kg, für die Massen an Flüssigkeit intus noch okay, warte mal - das waren doch locker >1000kcal, knie mich hin, hänge nur in Unterwäsche über der Kloschüssel und kotze mir die Seele aus dem Leib, ziehe mich hoch, schaue in den Spiegel, verheulte Zombie-fresse, ziehe mir ein T-shirt über, putz mir die Zähne, falle ins Bett. 12:05Uhr, Wecker klingelt, Fuck - WG-Besichtigung in 2 Stunden, was geht mit meinen Augen ab? Ich habe die dicksten verheultesten, verkotzten Augenlider der Welt, ein Wunder, dass ich blinzeln kann. 3 Aspirin mit Kaffee statt Wasser und ich tanze benebelt nur in Handtuch durch das Wohnzimmer. Auf unserm Sofa liegt ein verkaterter Mensch von meinem Bruder, juckt mich nicht. Die Besichtigung übernimmt Leyn, ich sitze nur am Rand und versuche nicht allzu sehr wie eine Klapsen-aureißerin auszusehen und meine Mundwinkel-nach-oben-und-interessiert-umher-schauen-Starre aufrecht zu erhalten. Habe versprochen zu frühstücken, kaufe ein belegtes Brötchen und esse ein Viertel. Stehe Mama im Bad gegenüber, sie versucht spaßhaft mein Gewicht zu erfragen, ich weine. Habe versprochen bei Leyn abends mitzugrillen, sitze ein paar Stunden am Tisch, bekomme nichts mit von den Gesprächen, esse ich oder esse ich nicht? Ich esse. Ich werde das tun, ich bin nicht so scheiße, wie ich gestern Nacht rüberkam, ich bin mehr als das. Ich kann essen, ich bin etwas wert und ich brauch mich nicht über Gewicht zu definieren. Ich esse 3 Scheiben Grill-Brot und ein paar Champignons und Salat und Erdbeeren. Ich trinke Sekt und dann noch Wein und tanze mit Leyn's Mutter auf irgendwelche Schlager und sitze lachend auf dem Klo ihrer Oma. Ich werde morgen nicht 100kg mehr wiegen, und ich werde morgen nicht dicker aussehen. Ich werde morgen 100kg mehr wiegen und ich werde morgen dicker aussehen.
Ich habe meine Therapeutin geschrieben. Ich hoffe so sehr, dass sie eine Lösung für mich hat. Es bringt mich um. Ich habe noch nie innerhalb von 36Stunden so ein krankhaftes Gedankenkarussel gehabt. Ich will glücklich sein. Und will auch am Leben teilhaben. Dafür muss ich essen. Wenn ich esse, werde ich dick sein und unglaublich traurig. Wenn ich nicht esse, bin ich ein Zombie. Wenn ich ein Zombie bin, will ich sterben. Ich werde morgen aufwachen und es wird mir schrecklich gehen und ich werde mich nicht wiegen können und ich werde frühstücken müssen weil ich es besoffen versprochen habe und den Rest des Tages werde ich fasten und Montag werde ich arbeiten und wieder ein Zombie sein, vielleicht bin ich bis dahin auch schon an meiner hässlichen Persönlichkeit verreckt. Wer weiß das schon.
Ich war noch nie so ratlos, noch nie in meinem verfickten Leben war ich so unglaublich ratlos.


Heftig. Mehr fällt mir dazu iwie nicht ein.
AntwortenLöschenLies dir die Prospekte über Essstörungen durch und lass dir bitte helfen. Auch wenn ich dich nicht kenne, mache ich mir Sorgen um dich.
Alles Gute
Lenchen
Ach ich weiß ja, was drin steht. Es geht um meinen Kopf, der einfach momentan nicht will. Aber das wird schon irgendwann :-)
LöschenDanke!
ich will nicht dass du ein zombie bist.. :( ich wünsche dir sehr, dass du das leben wieder mitbekommen darfst und realisieren und wach sein und es irgendwann genießen.
AntwortenLöschen<3 eine verkaterte umarmung an dich
Zombie-sein ist auch echt anstrengend :-(
LöschenDanke, das klingt so schön. Wir sind alle noch so jung und sollten wirklich damit beginnen, unser Leben zu leben und uns nicht so kaputt machen lassen..warum ist das so schwer?
Eine feste Umarmung zurück ♥
ich hoffe du findest das Glück in deinem leben und einen Weg der dir selbst gut erscheint!
AntwortenLöschenDanke :-*
Löschen