Elina
27 Jahre
selbstkritisch, paradox, aber stilsicher

Montag, 26. Januar 2015

Schlecht gelaunt schleiche ich durch den Tag, die Gedanken an die Zukunft lassen mein Herz stolpern und so sehr ich auch versuche, mich auf die letzte Prüfung zu konzentrieren, mein Gehirn wehrt sich mit aller Macht. Körper und Geist brauchen Ruhe, brauchen mehr Schlaf als sonst. Vor ein paar Wochen kam ich mit 5 Stunden aus, seit ein paar Tagen sind es 10. Ich versuche das Möglichste aus mir herauszuholen, indem ich mit Koffein nachhelfe. Und doch bin ich nicht mehr wirklich im Hier und Jetzt, wenn ihr wisst was ich meine. Wer so wenig isst, hat selbst Schuld. Das sagt der letzte Rest meines gesunden Ich's. Aber es spricht viel zu leise.

Als das Alles im November wieder langsam losging, habe ich mir geschworen, mich niemals zu beschweren, wenn irgendwann die Folgen des Hungerns wiederkommen. Ich wusste, was passieren würde, und deswegen habe ich kein Recht, mich zu beschweren. Ich sollte eigentlich glücklicher sein, über mein Gewicht, über die Leichtigkeit, über meinen Käfig.Aber ich bin so allein. Ich möchte ja garnicht alleine sein, aber das Alleinsein schützt mich vor dem, wozu ich momentan noch nicht in der Lage bin. Reden, kämpfen, fühlen.

Ich könnte jetzt auf der Stelle die Augen schließen und direkt in einen tiefen Schlaf fallen. Das wird meine Belohnung heute Abend sein, wenn ich fertig mit Lernen bin. Und Mittwoch um Punkt 10Uhr schreite ich erhobenen Kopfes aus der Hochschule und es wird mir scheißegal sein, ob ich alle Prüfungen verhauen habe oder nicht. Ich habe es durchgezogen, ich hab trotz der grauen Wolke, die tief über mir schwebt, jeden Tag stundenlang gelernt, trotz Schwindel, Hunger und dem ganzen anderen Mist. Ich habe mir nichts anmerken lassen, habe Telefonate über die Bühne gebracht, meine Eltern und meine WG überzeugt, mir zu glauben, dass es mir gut ginge, habe niemandem Sorgen bereitet. Ich hoffe ich habe euch ein bisschen stolz gemacht, Mum und Dad. Denn ihr könnt euch nicht vorstellen, wie es mir momentan wirklich geht. Und wenn ich Mittwoch da raus gehe, dann bricht vielleicht die Fassade. Dann fällt vielleicht alles von mir ab. Spätestens wenn ich in die Heimat fahre, weil ihr es dann zwangsläufig seht. Zwölf Kilogramm seit November. Davon Fünf bis Sechs Kilogramm seit Silvester. Vermutlich, bis ich nachhause fahre insgesamt um die Vierzehn, kommt drauf an, wie lange ich noch hier bleibe. Es ist letztendlich auch egal wieviel, ich bin wieder ein Zombie, es ist offiziell, herzlichen Glückwunsch.
Komm ich da wieder raus? Der Wille ist da. Deswegen möchte ich auch bald nachhause fahren. Unterstützung erhalten. Beschützt werden, keine Vorwürfe hören.
NICHT zunehmen, aber auch nicht in den ganz gefährlichen Bereich abrutschen. Natürlich lieber gefährlicher Bereich als Zunahme, versteht sich von selbst. #destruktiv
Aber das Optimum wäre, das Gewicht zu halten und damit klarzukommen. Das erfordert ein Maximum an emotionaler Stabilität, worüber ich momentan leider noch nicht verfüge. Mich bringen ja schon zwei Mahlzeiten am Tag aus der Fassung. Dazu kommt die immer schlechter werdende Körperwahrnehmung, denn ich bin eigentlich immer noch zu dick und 49Kilogramm reichen mir verdammt nochmal nicht, obwohl ich mir so sicher war. Und das macht mich traurig. Noch nicht so traurig, dass ich weinen muss, aber das liegt an dem Lernstress, da verbiete ich mir emotionale Ausbrüche, yeha Selbstkontrolle vom Feinsten. 
Die Bombe platzt eh bald, ich seh's ja kommen.

1 Kommentar:

  1. Hey Elina, ich würde dir so sehr wünschen, dass du aus dem Tief wieder herauskommst. Doch solange du in der Studierstadt bist, wird es bestimmt nichts werden. aber das sagst du ja selbst.
    Hast du dir mal Gedanken gemacht, wie es bei dir langfristig weitergehen soll? Das klingt jetzt vielleicht bescheuert, aber wenn du ein richtig großes "Lebensziel" vor Augen hast, vielleicht hilft dir das aus deinem Käfig auszubrechen. :/
    Alles Liebe <3

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