Ein haselnussbrauner Kaffee mit Sojamilch. Letzten Winter ein durchaus angenehmer, aber nicht wirklich präsenter Bestandteil meines Morgens, mit einem Teelöffel Zucker und viel Sojamilch, lecker, schnell heruntergekippt vor dem Frühstück und gegen Vormittag vielleicht noch einen, wenn Müdigkeit aufkam.
Heute mit Süßstoff, einem Hauch Sojamilch - DER Bestandteil meines Morgens. Ich wache nachts auf und freue mich darauf, in ein paar Stunden endlich diesen wärmenden Becher in meiner Hand zu halten, dieses Getränk auf dem Weg zur Arbeit auf der mit Laub übersähten Straße, in der Bahn, auf der Bank vor dem Bahnhof zu ZELEBRIEREN. Es ist das Highlight des Tages. Morgens, wenn der Magen noch so schön leer ist und die Waage mich belohnt hat. Wenn es noch nicht ganz hell ist und ich Schluck für Schluck ohne schlechtes Gewissen diesen kleinen, wunderbaren Wachmacher zu mir nehme. 300ml, die mich von innen wärmen, 300ml Glück.
Danach wird es dann eigentlich alles schon schwieriger.
Seit ein paar Tagen schwirrt in meinem Kopf der Gedanke umher, ein paar Wochen irgendwo neue Kraft zu tanken. Und mit irgendwo meine ich eine psychosomatische (Kur-)klinik.
Ich fühle, dass es bergab geht und ich will auch, dass es bergab geht und genau wegen Letzterem muss etwas passieren. Lieber früh genug, als wenn es wieder fast zu spät ist. Lieber ein paar Wochen qualitative Auseinandersetzung mit mir Selbst anstatt ein halbes Jahr mehr schlecht als recht.
Aktuell habe ich leichtes Untergewicht, Tendenz sinkend. Da die Nachfrage nach psychosomatischen Diagnosen als auch stationären psychosom. Behandlungen in den letzten sechs Jahren erheblich zugenommen hat, bin ich mir durchaus darüber im Klaren, dass es Wartezeiten geben wird. Diese gilt es dann zu überbrücken. Aber dann bin ich vielleicht noch nicht in einem Zombie-BMI-Bereich angekommen - was durchaus erstrebenswert wäre, weil dann direkt an tiefergehenden Dingen gearbeitet werden kann, und genau danach sehne ich mich. Ich verstehe nicht, wie ein so großer Teil von mir immer noch nicht begreift, dass restriktives Essen verbunden mit dem Minimieren des eigenen Körpergewichts NICHT die Lösung ist, sondern eine Kompensation. Ich lausche stundenlang Podcasts über body positivity - ich höre, dass mein menschlicher Wert nicht abhängig ist von einem Gewicht, ich höre Tipps über Achtsamkeit, Meditation und Selbstakzeptanz, ich höre Geschichten von jungen Frauen, die es geschafft haben, endlich Frieden mit der Essstörung zu finden. Und ich denke jedesmal ja! ja! JA! Ich will! Ich denke - ja! zu Franzbrötchen zum Frühstück, zu Latte Macchiato mit Zucker, zu gemeinsamen Kochabenden mit Freunden, zu ein paar Kurven (von mir aus auch ein paar mehr, denn ich liebe Kurven), zu rosigen Wangen und Konzentration für die Vorlesungen, zu Gemüselasagne, Schokocroissants und gesundem, glänzendem Haar. Und vor Allem JA, VERDAMMT! zu mir selbst.
Aber.. ich bin ausgehungert und mein Gehirn und jede Zelle meines Körpers sehnen sich selbstverständlich nach etwas, das meinen Blutzucker in die Höhe schnellen und meine Zellen arbeiten lässt. Und dann scheint es so, als würde ich die Vorstellung nur romantisieren. Und was tue ich? Seit zwei Stunden darüber nachdenken, ob ich den Broccoli im Kühlschrank nun esse oder nicht. Ich konnte mit Volumenfood noch nie gut umgehen, stattdessen greife ich lieber zu Proteinriegeln, Studentenfutter oder Reiswaffeln. Ich könnte den Broccoli vorher abwiegen, aber das würde nichts daran ändern, dass die Waage ja im Anschluss verfälschend mehr anzeigt.
Donnerstag habe ich einen Termin bei meinem Hausarzt in der Heimat, damit er mir nochmal die wichtigsten Informationen gibt für den Ablauf eines Antrags und mit Glück füllt er ihn direkt vor Ort mit mir aus. Ich glaube ich brauche das wirklich so sehr.

Schön, dass du dir Hilfe suchst. So wie du schreibst, brauchst du das auch dringend. Vllt auch einfach, dass dir jemand zuhört und sich für deine Probleme und deine Ansichten interessiert.
AntwortenLöschenIch wünsche dir ganz viel Kraft ♡
Ich wünsche dir viel Kraft. Schade, dass du wieder an dem Punkt bist und es irgendwie auch so willst, aber gleichermaßen gut, dass du dir Hilfe suchst. Hilfe, tut meistens gut. Ich hab mich in den Kliniken überwiegend wohlgefühlt. Vielleicht wird das irgendwann auch noch mal mein Weg sein.
AntwortenLöschen<3
auch wenn es nicht hilfreich sein mag: du bist nicht allein mit diesen gedanken. und ich finde es stark, dass du ihnen so viel entgegensetzt, an logik, an erfahrung.
AntwortenLöschen(und schön, dass du zurück bist ♥ )
AntwortenLöschenWie geht es dir jetzt? Es ist schön von dir zu lesen. Ich wünsche dir mehr Sonne auf der Haut und viel Kraft für andere Richtungen. Du bist nicht allein. Ich weiß nicht ob es traurig ist oder tröstlich, but I feel you. Alles Liebe dir.
AntwortenLöschenLiebe Elina, ich hatte einen Sehnsuchtsmoment (während ich Maeckes gehört habe) und habe nochmal deinen Blognamen eingetippt. Ich habe dich früher lange verfolgt, mit ähnlichen Gedanken wie du, teils immer noch. Nun ist es schon wieder ein paar Jahre her und ich frage mich, was aus dir geworden ist.
AntwortenLöschenKannst du ein Lebenszeichen geben?
Nur Liebe
Ich denke auch manchmal noch an dich und hoffe einfach dass du irgendwo glücklich geworden bist 💕
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