Die Tage verstreichen, es wird schlimmer. Pflichttermine wie Vorlesungen und Arbeiten nehme ich wahr, den Rest der Zeit verbringe ich in meinem Zimmer mit Hörbüchern oder mit langen Abend-spaziergängen durch das Lieblingsviertel meiner Stadt. Ich weiß nicht wieviel ich wiege, aber es ist wieder etwas weniger. An Tagen, an denen ich hungere, bin ich zwar schwindelig und kaputt unterwegs, fühle mich aber stärker und habe wieder etwas Hoffnung - an Tagen, an denen ich esse, ist die Depression schlimmer denje, das wird mir immer bewusster. Ich habe böse Gedanken, die mir die Kehle zuschnüren und mir Angst machen. Manchmal möchte ich hier alles abbrechen und zurück nachhause kommen. Letztendlich wäre es eine Entscheidung aus Eigen-fürsorge und Schutz. Aber was dann? Meinen Studiengang gibt es in meiner Heimatstadt nicht und selbst wenn ich mich nochmal für etwas Neues entscheiden würde, ich wäre der Versager auf voller Linie. Momentan warte ich auf einen Rückruf einer Therapeutin und bin stolz, dass ich den Schritt gemacht habe. Die nächsten Tage werde ich hungern bis zum 27.November, an dem ich endlich wieder in die Heimatstadt fahren kann und bis dahin hoffentlich "genug" Gewicht verloren habe, dass ich mich wieder etwas stärker fühle und nicht als vollkommen emotionales Wrack dort ankomme. Das sind zwei Wochen, die ich auch körperlich und mit Konzentration für die Uni hinbekommen werde. Niemals hätte ich gedacht, dass ich, Elina, die schon mit 14 Jahren davon geträumt hat, ihre Heimatstadt zu verlassen, jemals solches Heimweh haben würde. Niemals. Aber es ist auch nicht die Stadt, es sind die Menschen, meine Familie, das Gefühl von Heimat, was mir so fehlt, dass mir jetzt schon wieder die Pisse in den Augen steht. Es hat auch nichts mit dieser Stadt hier zu tun, ich liebe sie, wirklich, heute noch bin ich mit dem Bus durch die Altstadt gefahren und konnte mich nicht sattsehen. Ich liebe meinen Job, ich liebe mein Team, ich liebe die Nächte hinter der Theke, ich liebe die Spaziergänge und die kleinen Cafes und Bücherläden. Aber mehr auch nicht. Alles andere zieht mich nur immer tiefer in das Loch, in dem ich jetzt schon viel zu tief drinstecke. Vielleicht ist "Alles andere" auch nur ich selbst. Aber Fakt ist, dass ich besser mit mir umgehe, wenn ich zuhause bin, dass ich mich sicherer und weniger ängstlich fühle. Ich kann nicht sagen, wie es weitergehen soll, ich wünsche mir nur, dass ich durchhalte, entweder bis ich wieder zerbrechlich bin oder bis ich eine Lösung gefunden habe - ich hab wirklich 'ne scheiß Angst, dass da bald ein Kurzschluss kommt und ich mir garnichts mehr wert bin...
du fliegst bis du segelst
du segelst bis du fällst
und wenn ich jetzt die alten steine werfe
treffen sie mich selbst
hab ich mir nicht irgendwann geschworen
bis hierher und weiter nicht
ist das meine stimme die da redet
oder die
routine die da spricht
und wenn das hier alles nicht mehr leuchtet
wenn das hier alles nicht mehr kickt
bleib nur die glut in meinem bauch
und eine uhr die nicht mehr tickt


bevor der kurzschluss dich dazu bringt, dass etwas in dir durchbrennt, versuche bitte einen moment zu überlegen, was du da im begriff bist zu tun.
AntwortenLöschennur einen moment.
vielleicht wird es reichen um dich vor einem fehler zu bewahren
versagerin? blödsinn! ich hab ein halbes hauptstudium also 2, eher 3 semester sozus nochmal neugemacht weil nach diplomarbeit nochmal studiengangwechsel^^ so what! reicht trotzdem um ein leben ohne finanzielle sorgen anfangen zu können... es gibt 2, 3 sterne köche die haben mit anfang/mitte 20 erst das kochen angefangen, wenn es das richtige für dich is, is doch wumpe, wann du beginnst damit.. außerdem weißt du ja is es nie ein nachteil in einer oberflächlichen gesellschaft wie der unseren, wenn man so wahnsinnig hübsch is wie du (glaube ich)
AntwortenLöschenwas du da schreibst erinnert mich 1:1 an mich vor gut 5 jahren: inna unistadt dauerhungern und erst so wie ich daheim war wieder gegessen, es war(is) so falsch, als würde man versuchen durch eine wand ohne tür durchzulaufen, also einfach erkennbar dumm, und mir is bis heute unbegreiflich, warum menschen sowas tun, aber allein das es mehr als eine is, zeigt wie sehr das man es nicht unterschätzen darf! ;( und die tragödische pointe is, dass es eben keine slebstfürsorge, sondern selbstbestrafung is, doch im kopf scheint es sich iwie perzeptiv zu verdehen ;( ..
für mich is im übrigen lüneburg die tollste stadt der ganzen welt, weil das per se eben jeder über seine heimat empfinden dürfte, aber weil neben den erinnerungen auch einfach vieles so schön dort is, aber als akademiker weißt du, hier wirst du sehr wahrscheinlich niemals dein leben verbringen können, da es zu strukturschwach is und am ende muss man sich damit arrangieren dass man 500km weiter im süden leben muss, iwie, aber was sollen denn die ganzen jungen spanier, griechen und italiener sagen die hier ein neues leben anfangen müssen, weil ihre heimat perspektivlos is. glücklich dürfte kaum jmd sein, das teilen wohl alle, aber zufrieden und so mit sich und seinem sozialen umfeld im reinen, dass nicht eine MS als lebenserhaltungsprogramm abgespielt werden muss. ich bin mir sicher, dass du das auch schaffen kannst. viel erfolg bei der lösungssuche...
Bist du das auf dem Bild Liebes?
AntwortenLöschenHm.
AntwortenLöschenIrgendwie hast du recht. Also, ich denke halt- dieses Reingesteigere IST die Krankheit. Sie will halt genug Aufmerksamkeit und ich wundere mich auch oft, warum ich jetzt gerade wieder über kcal nachdenke, obwohl ich irgendwie eigentlich grade Arbeite, o.ä.
Ich hoffe, du verstehst, was ich meine. Irgendwie ist das schon komisch, eigentlich war die Hauptaussage auch nur, das ich es so traurig finde, dass irgendwie alles in den Hintergrund rückt, Familie, Freunde, Arbeit, Ausflüge, Leben. Und dann fragt man sich wieder: Warum gibt es diese Krankheit. Das ist einfach unfair, wie viele damit leben müssen.
<3
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