Elina
27 Jahre
selbstkritisch, paradox, aber stilsicher

Donnerstag, 19. Juni 2014

Ich bin so schwach, mein ganzer Körper ist so schwach aber gleichzeitig will ich mir am liebsten die Lunge aus dem Leib rennen. Wackelig stehe ich auf, ziehe mir eine Jacke an, gehe raus und laufe los. Rennen klappt nicht, aber laufen, einfach laufen. Automatisch schlage ich "unseren Weg" ein, an den Feldern vorbei, an den Kühen, an dem kleinen Hotel mit dem süßen Teich und den zwei Pferden, an der Straße, an der du deinen Arm um mich gelegt hast und haargenau drauf geachtet hast, dass ich nicht zu nah an den vorbeifahrenden Autos laufe. Heute balanciere ich auf dem weißen Streifen, der Gehweg und Straße trennt. Es beginnt zu regnen, der Wind fegt durch die Bäume, und irgendwie ist meine Jacke viel zu dünn. Trotzdem tut es gut, diese Kälte, der graue Himmel, weit und breit kein anderer Fußgänger, nur ich und meine Musik und die schmerzhaften Gedanken an dich. Ich weiß langsam nicht mehr wie es ist, deine Hand zu halten, meinen Kopf auf deine Brust zu legen, mein Kissen riecht nicht mehr nach dir, es wird immer weniger und somit immer realer. So viele Bilder jedoch, insbesondere unsere letzte Begegnung, wie eingebrannt in mein inneres Kopfkino. Ein schlechter Abspann, der immer und immer wieder läuft, weil der Beamer einen Wackelkontakt hat. Ich habe dich die ganze Zeit angesehen aber da war nur dein scheuer Blick, der sich auf dem Boden verloren hat, da waren nur diese letzte Sekunde, in der du mich kurz angeschaut hast, bevor du dich umgedreht hast und gegangen bist. Wielange ich noch da saß, auf der Mauer, eine Zigarette nach der anderen, verdammt. Ich frage mich, wann es endlich aufhört. Jetzt sitze ich frierend im Bett, eingehüllt in eine Decke und einen Winterschal. Ich hab Halsschmerzen und fühle mich noch ausgelaugter als vor ein paar Stunden. 

Ein leerer Kinosaal, nur ich sitze noch da, starre auf die Leinwand. Die Lichter sind schon längst wieder an, aber ich kann nicht glauben, dass der Film vorbei ist. Er war einfach zu schön. Ich wünsche mir, dass ich ihn nie gesehen hätte. 

Ich habe noch nie wegen einem Kerl so viel geheult. 
Ich ziehe meinen Hut!

5 Kommentare:

  1. Ach ja...Cassie, sie ist mir so sympathisch.
    Dein Text ist so traurig, aber ich finde mich in deinen Zeilen wieder. All das habe ich auch durch, der Schmerz wird verblassen, aber die Narben erinnern einen ein Leben lang...
    Pass auf dich auf.
    Ich denke ganz viel an dich und schicke dir viel Kraft und gute Besserung.
    Lenchen <3

    AntwortenLöschen
  2. dein text ist so schön geschrieben.
    ichxü kenne mich herzschmerz auch ziemlich gut aus und kann dir nur sagen dass ich weiss was du meinst und es ist wohl eines der schlimmsten gefühlen die es gibt.. aber irgendwann wird es vorbei gehen.. irgendwann kommt jemand anderes in dein leben und du wirst nicht mehr an ihn denken!

    AntwortenLöschen
  3. sinnbildlich das wetter. tatsächlich muss man sich sehr anstrengen um diese erinnerungen am leben zu halten, immer wieder diese augenblicke "nachspielen", nacherleben. wenn man wg eines menschen weint, ist das stets bitter, ist mir auch erst einmal passiert, so könnte ich ähnliche zeilen in prosa abfassen, und gehe auch heute immer noch dieselben wege wie damals, nur allein.. mich beschäftigt eher, warum man die vergangenheit einzuholen versucht, nicht warum dieser jmd gegangen ist...

    AntwortenLöschen
  4. Oh Elina ... Kopf hoch und lass dich drücken ♥

    AntwortenLöschen
  5. Ich würd dich gern an die Hand nehmen.

    AntwortenLöschen