Den letzten Post habe ich wieder gelöscht, ich war in dieser Nacht ein sich selbst bemitleidendes, wieder 16jähriges Mädchen, was zuviel getrunken hat und dem die Angst vor einer alkoholbedingten Zunahme zu Kopf gestiegen ist. Ich will so nicht sein. Ich will nicht so verdammt abhängig sein von Zahlen, dass ich keinen Abend mehr mit meinen Freunden und ein paar Gläsern Wein verbringen und genießen kann. Das ist doch das, was alles so lebenswert macht. Auch der nächste Tag (Kateralarm!) hüllt mich immer in einen Schleier von Selbsthass, Depression und Sehnsucht nach Liebe. - Gestern habe ich den ganzen Tag im Pyjama, eingehüllt in eine Steppdecke, auf Bett und Sofa verbracht, nur Kaffee getrunken, Serien geschaut, geschlafen, mich gewogen, Filme geguckt, ohne jeglichen, wirklich persönlichen Kontakt zur Außenwelt, 1 x mit M. telefoniert, meinen Bruder vor der Nachtschicht gefragt, warum er schon wieder arbeiten muss, das war's dann auch. Die Tatort-wiederholung geguckt, zwischendurch eine unglaublich sinnlose Quizshow, bei der ich begeistert mitgeraten habe, irgendwann bei NAVY CIS etc gelandet, kurz gewogen und um 4:06Uhr die Augen geschlossen. Es gibt für meine Seele nichts schlimmeres als solche Sonntage. Ich habe so Sehnsucht nach Familie, war so neidisch als M. von dem gemeinsamen Mittagessen bei ihr zuhause und dem Fernsehabend zu viert auf der Couch erzählte. Ich brauche das momentan so sehr wie ein kleines Kind. Fange ich grad an, die Trennung meiner Eltern aufzuarbeiten, mit 20Jahren? Unmöglich. Ich glaube, was mir grad so fehlt, ist diese Vertrautheit, dieses Gefühl von Zusammenhalt einer Familie, die alles zusammen bewältigt. Das Gefühl, dass Daddy seine kleine Tochter beschützt vor den Klippen dieser Welt, und besonders, dass er stolz auf sie ist. Die Situation, zusammen am Tisch zu sitzen und irgendwas leckeres, gesundes zu essen, zusammen zu lachen, kein stressiges Reinschaufeln (Bruder) oder dauerndes Aufstehen und regelmäßige Kommentare, wie satt man schon ist (Mama). Bei meinem Papa und seiner Frau klappt es meistens sogar, deswegen wollte ich gestern unbedingt hinfahren, um mich normal zu fühlen. Was wiederum der lachhafteste Widerspruch in sich ist, da die Familiensituation dort auch nur aus dem Grund klappt, dass Papa's Frau grandios im schauspielern ist. Das noch lachhaftere ist, dass mir das meistens völlig egal ist, ich bin nämlich Profi in Verdrängung und Ausblenden von unangenehmen Fakten, was sowas angeht, somit ignoriere ich die Tatsache mit der gespielten Fröhlichkeit und erfreue mich jedes Mal erneut an einem Familienabend. Was fehlt mir noch?
Mein Bruder. Besser gesagt, sein Beschützerinstinkt, seine Ratschläge, seine Geschichten.
Dass wir mal wieder zusammen Abends auf unserer Couch sitzen, verschimmelten Wein trinken (was wir erst am nächsten Tag realisierten), einen guten Action-Film gucken und uns über die Schauspieler lustig machen.
Das alles hab ich lange nicht mehr erlebt, es liegt sicher auch an mir, keine Frage, trotzdem tut es weh und rüttelt am Einsamkeitsbaum. Familie. Das ist grad einer meiner größten Wünsche, auch wenn ich wie 8Jahre alt klinge, ich spüre, dass ich es brauche. Und das ist wirklich gut, denn die meiste Zeit hab ich nicht den blassesten Schimmer, was ich brauche oder wonach ich mich sehne. Meine Therapeutin würde freudig in die Hände klatschen!
Ist es weil ich nun die Gewissheit hab, dass ich spätestens Ende September entweder 150km oder 250km (und da sogar ohne L.) weit weg wohnen werde und auf mich selbst gestellt bin? Wahrscheinlich. Ich habe Angst, aber ich freue mich auch auf einen Neuanfang.Ich sitze immernoch im Bett, mein Magen knurrt rebellisch, ich wiege 52,5kg, BMI 17,8 und weiß nicht, was ich frühstücken soll. Werd gleich duschen, mich nicht schminken (was ist los?), dann mit L. in die Stadt und mir neue BH's kaufen, Körbchengröße C sieht mittlerweile so lachhaft aus. Dann hoffentlich zu ihr nachhause, mich mit ihr und ihrer süßen Mum auf die Couch setzen, quatschen, rauchen und ein bisschen Normalität einsaugen.
N. hat sich nicht aus dem Urlaub gemeldet, stört mich das? Keine Ahnung, wahrscheinlich schon, sonst hätte ich es nicht geschrieben.
XXX


Ich will dir nur sagen, dass ich mich in vielem, das du schreibst, wiedererkenne. Und dass, obwohl ich mich nicht leiden kann, du mir eine sehr sympathische Person zu sein scheinst.
AntwortenLöschenPass auf dich auf.
So liefen einige Tage bei mir auch ab.
AntwortenLöschenCandy Crush, Rauchen und Bastille hören :) Things we lost in the fire :D